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Warum sich die Zukunft des Ölpreises am 27. November entscheidet
07.11.2014

Der Verfall begann schleichend: Im November 1985 hatte das Barrel Rohöl noch 30 US-Dollar gekostet, doch bereits im März 1986 bezahlte man nur noch 12 und dann sogar nur noch 6 Dollar. Die Folgen für die Sowjetunion waren dramatisch, sie verlor binnen weniger Monate Milliarden US-Dollar aus erwarteten Exporteinnahmen. Mehr noch: Aufgrund der hohen Förderungs- und Transportkosten wurde die Ausfuhr in die westlichen Länder zu diesen Preisen zum Verlustgeschäft. Bereits seit den späten 1970-er Jahren war der Rohstoff-Export zur wichtigsten Einnahmequelle des Sowjetreichs geworden, zwischen 60 und 80 Prozent seiner erwirtschafteten Devisen kamen aus dem Öl und Gas. Jetzt aber wuchsen die Auslandsschulden: Von 20 Milliarden Dollar im Jahr 1986 auf 103 Milliarden im Jahr 1991 – dem Jahr, in dem die Sowjetunion endgültig zerbrach.

Oil well - Flcelloguy at the English language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], from Wikimedia CommonsRund um das Gedenken zum Mauerfall lohnt es sich besonders, noch einmal auf die Wende-Monate zurückzublicken – und mögliche Parallelen zu heute zu ziehen: Der Preisverfall ab 1985 war auf eine gezielte Energiepolitik der USA zurückzuführen, um den Kreml in die Knie zu zwingen – und es gibt durchaus einige Anhaltspunkte, dass heute ähnliche Mechanismen am Werk sind. Russland steht durch den derzeit niedrigen Ölpreis gewaltig unter Druck. Die russische Online-Zeitung „Gazeta.ru“ fasste es kürzlich so zusammen: „Wir sitzen alle am Ölhahn. Der Frieden auf unseren Straßen, unsere Einkommen, die tägliche Tasse Kaffee, alles kommt aus diesem Hahn.“ Zahlte man im Juni 2014 für ein Fass WTI noch mehr als 100 Dollar, belief sich die Rechnung in dieser Woche auf nur noch 77,20 Dollar – das ist der niedrigste Stand seit fünf Jahren. Die Entwicklung bei der Nordsee-Sorte Brent ist ähnlich. Der Preisverfall vor 30 Jahren ging auf die Reagan-Administration zurück, sie hatte Saudi-Arabien, den größten Erdölexporteur, davon überzeugt, die Ölförderung radikal zu steigern und die Ölpreise zu senken.

Auch heute hat der sich verstärkende Sinkflug mit dem Zusammenspiel zwischen den USA und Saudi-Arabien zu tun, aber die Umstände sind doch anders: Der Golfstaat hatte vor wenigen Tagen die Märkte mit seiner Ankündigung überrascht, dass er den Preis für seine Erdölexporte in die USA senken werde. Nun war klar, dass eine neue Runde an Preissenkungen weltweit folgen müsste. Doch im Gegensatz zu den 1980-ern ziehen hier die Saudis und die Amerikaner nicht zwingend am selben Strang, denn während Saudi-Arabien seine Ölexporte in die USA verbilligte, erhöhte es den Preis seiner Ausfuhren in andere Regionen der Welt – etwa nach Asien (das in den vergangenen Monaten ein besonders umkämpfter Markt für Exporteure war). Der Golf-Staat will also unter Einsatz aller Mittel seinen Marktanteil in den USA halten.

Auf diese Weise geraten nun die amerikanischen Energieproduzenten noch stärker unter Druck. Die unkonventionelle Ölförderung lohnt sich nur, wenn Öl einen gewissen Preis hat. Experten gehen davon aus, dass ein Ölpreis um die 75 Dollar viele neue Produktionen in den USA unprofitabel machen würde.

Die leidenden Dritten sind aber schon jetzt Staaten wie eben Russland oder Venezuela, deren Staatshaushalte besonders von Energieexporten abhängen. Politisch ist das sicher alles andere als ungewollt. Kein Wunder also, dass Russland eine Konspiration des Westens wittert. Der russische Haushalt ist auf 95 US-Dollar je Barrel zugeschnitten – jetzt wird’s also eng. Die Notenbankchefin Elvira Nabiullina musste in der Duma zugeben, rund sechs Milliarden Dollar zur Stützung des Rubels aufgewendet zu haben.

Der neue Vorstoß der Saudis ist aber auch ein weiteres Indiz für die derzeitige Uneinigkeit innerhalb der OPEC, hinzu kommt der relativ starke Dollar, die laue weltweite Nachfrage sowie das wachsende Angebot, das durch unkonventionelles Öl aus Nordamerika auf den Markt strömt. Viele Analysten gehen davon aus, dass Saudi-Arabien mit dem Preisverfall den Aufstieg der USA zur Öl-Supermacht ausbremsen will. Dabei ist diese Strategie sogar im saudischen Herrscherhaus umstritten: Der einflussreichste unter den zahlreichen Neffen des Königs, Prinz Al-Waleed, hatte erst vor kurzem den Ölminister des Landes öffentlich aufgefordert, endlich die Produktion zu drosseln.

Dennoch könnte es schon bald ein Ende des Preisverfalls geben: Am 27. November tagen die Minister der OPEC-Staaten in Wien. Dabei dürfte es ordentlich zur Sache gehen, denn während Mitgliedsstaaten wie Saudi-Arabien zur Finanzierung ihres Haushalts auf gut gefüllte Reserven zurückgreifen können, stehen andere Mitglieder wie Venezuela – wo bereits das Toilettenpapier rationiert wird – kurz vor dem Ausbruch einer echten Staatskrise. Eine Analyse der Deutschen Bank hatte ergeben, dass sieben der zwölf OPEC-Länder bei einem Ölpreis von unter 100 Dollar keinen ausgeglichenen Haushalt erreichen können. Dazu gehören unter anderen der Iran und Nigeria.

An der Donau dürfte auch diskutiert werden, ob die OPEC nach der Schiefer-Revolution überhaupt noch über die Marktmacht verfügt, um den Marktpreis langfristig zu steuern. Fest steht aber: Am 27. November dürfte sich entscheiden, ob es zu Förderkürzungen kommt – und wohin die Reise des Ölpreises geht. Vielleicht wäre es gar nicht dumm, zuvor seinen Öltank aufzufüllen.

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Quelle: OILCO Energy Trading