Rohöl, Brent
62,27 $ / Barrel
-0,27 %
US-Rohöl
56,80 $ / Barrel
-0,44 %
Gasöl
572,75 $ / Tonne
+ 0,17 %
Euro/Dollar
1,1078 € / $
+ 0,04 %



Flüssiggas Ratgeber

Was ist Flüssiggas?


Was ist Flüssiggas?
©Ingo Bartussek - Fotolia.com

Flüssiggas wird auch kurz LPG genannt. Die Abkürzung stammt vom Englischen "Liquefied Petroleum Gas". LPG besteht aus Propan, Butan und deren Gemischen. Im Normalzustand ist Flüssiggas gasförmig. Es wird aber unter einem geringen Druck von 1 bis 8 bar flüssig. Ein Beispiel: Vier Liter Flüssiggas ergeben über 1.000 Liter brennbares Gas. Ein Liter Flüssiggas enthält ca. 6,57 Kilowattstunden Energie.

Flüssiggas fällt bei der Förderung von Rohöl oder Erdgas als Begleitgas an. Früher wurde es oft einfach in die Atmosphäre abgelassen oder verbrannt. Heute wird Flüssiggas vielfältig genutzt. Das Gas verbrennt CO2-reduziert und schadstoffarm. Bei der Verbrennung reagieren seine Hauptbestandteile Kohlenstoff und Wasserstoff. Diese werden umgewandelt zu Kohlendioxid und Wasserdampf. Im Vergleich zum Heizöl setzt LPG bei der Verbrennung rund 15 Prozent weniger CO2 frei. Außerdem werden auch deutlich weniger Ruß und Asche in die Umwelt abgegeben als bei anderen Brennstoffen. Auch die Feinstaub- und Stickoxidemissionen sind bei der Verbrennung von Flüssiggas niedrig. Neben LPG gibt es auch Flüssigerdgas. Die Abkürzung dafür ist LNG, Liquefied Natural Gas. Dieses besteht überwiegend aus Methan. Bei Minus −161 bis −164 °C wird dies flüssig. Es kann dann gut transportiert und gelagert werden.

Wo kommt Flüssiggas zum Einsatz ?


Es ist vielseitig verwendbar. Das Gas gilt als unabhängige, mobile Energie. In Deutschland nutzen es etwa vier Millionen Menschen.

In Wohnungen und Häusern kommt es als Heizgas zum Einsatz. Wer auf dem Land wohnt oder ein Ferienhaus im Grünen besitzt, kann oft nicht das Erdgas- oder Fernwärmenetz nutzen. Das verflüssigte Propangas zum Heizen und zur Warmwasseraufbereitung ist dann die erste Wahl. Der Brennstoff gilt als umweltfreundlich und darf in Landschafts- oder Wasserschutzgebieten angewendet werden.

Auch Unternehmen oder landwirtschaftliche Betriebe nutzen Heizgas in Ställen oder Gewächshäusern. Mit LPG lässt sich Wärme sehr exakt regulieren. Das ist zum Beispiel für das Trocknen von Getreide wichtig.

Flüssiggas wird auch in Betrieben und auf Baustellen gebraucht. LPG findet Verwendung im Tief- und Straßenbau, beim Teeren von Dachflächen oder beim Schweißen. Oder zum Beheizen von Produktions- oder Lagerhallen. LPG verbrennt sparsam und umweltfreundlich. Deshalb dürfen Geräte , die mit Propan - Gasflaschen betrieben werden, auch innerhalb von Gebäuden genutzt werden. 

In der Gastronomie werden flüssiggasbetriebene Herde genutzt, weil sich die Temperaturen sehr genau regeln lassen. So können schnell hohe Temperaturen erzeugt werden. Es gibt noch einen weiteren Vorteil gegenüber der Elektro-Küche: Flüssiggas ist viel sparsamer im Verbrauch.

Als Flaschengas wird es im Freizeit- und Campingbereich genutzt. In Wohnmobilen und Wohnwagen werden Kühlschrank, Herd oder Heizung oft mit Gasflaschen betrieben. Flaschengas kommt auch auf Booten, Yachten oder bei Heißluftballons zum Einsatz. Oder zur Nutzung des Gasgrills oder Gaskochers.

Autogas ist ein alternativer Kraftstoff für PKW und LKW, der umweltfreundlicher und preiswerter ist als Benzin oder Diesel. Bei der Verbrennung entstehen weniger umweltschädliche Abgase.

Im Zeitraum von 2006 bis 2013 stieg die Zahl der Fahrzeuge mit Autogas - Antrieb von rund 40.000 auf fast 500.000 an. Autogas - Fahrzeuge sind in Ihrer Nutzung genauso komfortabel wie Benziner oder Diesel-Fahrzeuge. Die Technik ist so sicher wie ein Auto mit herkömmlichen Antrieb und wird streng geprüft. Ein benzinbetriebenes Fahrzeug kann problemlos auf Autogas umgerüstet werden.

Autogasfahrzeuge haben im Durchschnitt eine Reichweite von 400 Kilometern mit einer Tankfüllung. Das Tankstellennetz ist bundesweit gut ausgebaut.

Wo kommt Flüssiggas zum Einsatz?
©bluedesign - Fotolia.com

Welche Tankgröße ist die richtige?


Welche Tankgröße ist die richtige?


Flüssiggastanks gibt es in verschiedenen Standard-Größen: 1,2 Tonnen, 2,1 und 2,9 Tonnen. Wie groß der Tank sein muss, hängt vom Verbrauch ab. Bei der Auswahl des Tanks sollte die Anzahl der Personen im Haushalt berücksichtigt werden. Außerdem spielt die Heizfläche eine Rolle, aber auch die Heizgewohnheiten der Nutzer.  

Hier einige Richtwerte:

Nutzen zwei Erwachsene bzw. eine Familie mit einem Kind eine Wohnung oder ein Haus von 80 bis 125 Quadratmetern ist ein 1,2 Tonnen Tank zu empfehlen. Dieser hat ein Fassungsvermögen von 2700 Litern Flüssiggas. Der durchschnittliche Verbrauch der Nutzer würde damit bei etwa 16.100 Kilowattstunden Energie jährlich liegen.

Nutzen bis zu fünf Personen eine Wohnung oder ein Haus ist ein 2,1 Tonnen Tank die richtige Wahl. Dieser hat ein Fassungsvermögen von 4850 Litern Gas. Diese Menge eignet sich zum Beheizen von 125 bis 250 Quadratmetern Wohnfläche. Der Verbrauch liegt hier bei etwa 28.800 Kilowattstunden Wärmeenergie pro Jahr.

Bei größeren Nutzflächen und größeren Gebäuden oder Betrieben ist ein 2,9 Tonnen Tank sinnvoll. Dieser fasst 6400 Liter Flüssiggas. Der große Tank eignet sich ab einem Jahresverbrauch von 38.000 Kilowattstunden und mehr. Damit können Flächen von 250 bis zu 1000 Quadratmetern beheizt werden.

Tank kaufen und mieten


Flüssiggas-Tanks können gekauft oder gemietet werden.
Beides hat Vor- und Nachteile und kommt ganz auf Ihre individuellen Wünsche und auf die aktuellen finanziellen Möglichkeiten an. Wer sich selbstständig um Prüfungen, aktuelle Gaspreise auf dem freien Markt und Wartung des Tanks kümmern möchte, für den empfiehlt sich ein Kauftank. Wer sich mit dem Thema Flüssiggas nicht auseinandersetzen möchte, für den ist ein Miettank geeignet.

Wer einen Flüssiggastank kauft bleibt unabhängig. Verbraucher können dann die Preise der Händler auf dem freien Markt vergleichen und Ihren Lieferanten selbst wählen und sind vertraglich ungebunden.

Entscheidend für Besitzer eines Flüssiggas-Tanks ist der richtige Kaufzeitpunkt des Gas-Vorrats fürs Jahr. Wer einen Eigentumstank besitzt, sollte die Gaspreise immer im Auge behalten, denn der Gaspreis unterliegt Schwankungen, manchmal sogar um 10 oder 20 Cent. Bei einer großen Bestellmenge kann dies mehrere hundert Euro bedeuten.

Ein Eigentumstank ist mit einer hohen Anfangsinvestition verbunden, bietet aber langfristig gesehen finanzielle Vorteile. Ein Flüssiggastank hat eine Lebensdauer von mindestens 30 bis 40 Jahren. Der Kauf des Tanks im Vergleich zur Mietvariante zahlt sich nach einigen Jahren aus.   
Wer einen Eigentums-Tank besitzt, muss sich um die Sicherheit des Tanks selbst kümmern und dafür sorgen, dass innere und äußere Prüfung sowie die Rohrleitungsprüfung immer aktuell sind. Auch Reparaturen oder ein neuer Anstrich des Gastanks müssen selbst bezahlt werden. 

Wer einen oberirdischen Flüssiggastank kaufen möchte, muss für einen 1,2 Tonnen-Tank mit Kosten von rund 1.900 Euro rechnen. Ein unterirdischer 1,2 Tonnen Tank kostet etwa 2.500 Euro. Mit der Größe des Tanks steigen die Anschaffungskosten. Ein oberirdischer Tank mit 2,1 Tonnen Volumen kostet ca. 2.500 Euro. Für einen unterirdischen Tank dieser Größe muss mit 3.000 Euro gerechnet werden. Die Preise sind als Richtwerte zu sehen und variieren von Anbieter zu Anbieter.

Beim Miettank bieten viele Flüssiggas-Unternehmen oft Komplettpakete an. Darin enthalten sind die Anlieferung, Aufstellung und Installation des Tanks. Das Versorgungsunternehmen kümmert sich um die Befüllung des Behälters sowie um alle nötigen regelmäßigen Prüfungen. Verbraucher, die einen Miettank haben, müssen sich somit nicht um die regelmäßigen Sicherheits- Kontrollen kümmern.
Mit einem Miettank sind Sie aber vertraglich an den jeweiligen Flüssiggasanbieter und seine Preise gebunden. Sie können den Vorrat an Gas nicht auf dem freien Markt bestellen.

Wer sich für einen Miettank entscheidet, sollte alle Punkte im Vertrag genau studieren. Was ist zum Thema Gaspreiserhöhung vereinbart? Gibt es eine Kaufoption? Außerdem sollten die Rückhol-Kosten des Tanks vertraglich benannt werden: Wie ist der Abtransport des Behälters geregelt, wenn das Haus an eine Erdgasleitung angeschlossen werden kann und der Flüssiggas-Tank nicht mehr benötigt wird? 

Egal ob Miet- oder Kauftank: Für den sicheren Betrieb einer Flüssiggas-Anlage sind alle regelmäßigen Prüfungen Pflicht. Die äußere Prüfung ist aller zwei Jahre nötig. Die innere Prüfung aller zehn Jahre und kann von einem Sachverständigen einer zugelassenen Überwachungsstelle (ZÜS) wie TÜV oder DEKRA durchgeführt werden. Aller zehn Jahre müssen auch die Rohrleitungen, die den Flüssiggas-Tank mit der Heizungsanlage im Haus verbinden, geprüft werden.

Informieren Sie sich vor der Aufstellung Ihres Flüssiggas-Tanks zu den Kosten für die Baugrube bei einem unterirdischen Tank bzw. für die Erdarbeiten, für Druckregler, Hausanschluss und Gaszähler und lassen Sie sich am besten mehrere Angebote machen.

Flüssiggastank
©nmann77 - Fotolia.com

Woher kommt unser Flüssiggas?


Raffinerie
©Calado - Fotolia.com

Flüssiggas hat einen weiten Weg bis es bei uns in Deutschland ist.

Das vielseitig verwendbare Gas fällt bei der Förderung von Rohöl oder Erdgas als sogenanntes Begleitgas an. Flüssiggas entsteht aber auch bei der Raffination von Mineralöl, also bei der Herstellung von Diesel, Heizöl und Benzin.

Von den Bohrinseln in der Nordsee wird Rohöl, Rohgas und das entstandene Flüssiggas auf großen Frachtschiffen zu Umschlageplätzen in den Niederlanden und Belgien gebracht.

Zu den bedeutendsten Zwischenlagern für Flüssiggas zählen das Antwerpen GasTerminal in Belgien und die Terminals im niederländischen Vlissingen und Tiel. Dort wird das Gas in riesigen Druckbehältern sicher gelagert.

Per Schiff gelangt das Gas von dort zu uns nach Deutschland. Spezial-Tankschiffe bringen das Flüssiggas über den Rhein zum Mannheimer Binnenhafen. Von dort aus wird es zu Zwischenlagern, Füllstellen oder Versorgungsunternehmen verteilt.

Auch per Bahn wird Flüssiggas in Kesselwagen von den Küstenterminals und vom Mannheim aus zu verschiedenen Verteilstellen gebracht. Pro Kesselwagen rollen 45 Tonnen des vielseitigen Energieträgers über die Schiene.

In den Zwischenlagern wird das Gas wiederum in Straßentankwagen gefüllt und gelangt so zum Verbraucher. Außerdem wird Flüssiggas in 5-, 11- oder 33-Kilogramm-Gasflaschen zum Transport abgefüllt und zu Tankstellen oder zu Versorgungsunternehmen transportiert.

Doch Flüssiggas, kurz LPG genannt, kommt nicht nur von der Nordsee sondern stammt auch aus inländischen Raffinerien, zum Beispiel von den Raffinieren im niedersächsischen Lingen, im brandenburgischen Schwedt und aus Karlsruhe in Baden-Württemberg. Dort entsteht Flüssiggas bei einer Rohölverarbeitung.

Neben dem Flüssiggas, das aus der Nordsee oder von den Raffinerien kommt, gibt es Bio-Flüssiggas. Die Herstellung von Bio-LPG ist ganz anders als die von herkömmlichen Flüssiggas. BIO-LPG wird aus organischen Rest- und Abfallstoffen sowie nachwachsenden Rohstoffen produziert. Oder aus Pflanzenölen wie zum Beispiel Soja oder Raps. Flüssiggas verwandelt sich damit von einem fossilen Brennstoff zu einer regenerativen Energie.

Im Vergleich zu fossilen Brennstoffen reduziert biogenes Flüssiggas die CO2-Emissionen um bis zu 90%. Bio-LPG ist chemisch identisch mit Flüssiggas. Es kann in allen Flüssiggas-Systemen beigemischt werden. Eine Auswechslung oder Umrüstung bisheriger Anlagen ist daher nicht notwendig.

Wie setzt sich der Flüssiggaspreis zusammen?


Ähnlich wie beim Heizöl setzt sich der Preis für Flüssiggas aus verschiedenen Komponenten zusammen. Der Preis für Tankgas besteht aus dem Einkaufspreis ab einer Raffinerie oder einem Großlager. Hinzukommen die Kosten für Fracht, Transport und Logistik von den Häfen in den Niederlanden oder Belgien nach Deutschland und innerhalb Deutschlands.

Lange Transportwege zum Verbraucher bedeuten auch höhere Kosten beim Gas. Für Flüssiggas ist eine Energiesteuer fällig. Diese beträgt 60,60 € pro Tonne. Bei Flüssiggas gilt bei einer Temperatur von durchschnittlich 15 Grad die Umrechnung: 1 kg = 1,96 Liter. 1 Liter Flüssiggas entspricht damit 0,51 kg.

Für einen Liter Flüssiggas zahlt man damit rund drei Cent Energiesteuer. Zum Preis dazu kommt auch die Gewinnspanne des Händlers. Dieser muss die Ausgaben für die Lieferung zum Verbraucher, für Personal, Abrechnung und Kosten für den Tankwagen einkalkulieren. Auf den Flüssiggaspreis kommt weiterhin die Mehrwertsteuer von 19 Prozent.